13.02.2009

The Selby bei Star-Pâtissier Sébastien Gaudard


Foto: Todd Selby, Theselby.com

Der amerikanische Star-Fotograf Todd Selby (British Vogue, Dazed & Confused, Glamour, Harpers Bazaar UK, New York Magazine u.a.) fotografierte den französischen Star-Pâtissier Sébastien Gaudard (ehem. Fauchon, Delicabar) in seiner Wohnung in Paris, die Fotostrecke gibt es hier. Der Mann beweist jedenfalls auch außerhalb der Küche Geschmack.

Interessante Rezepte von Sébastien Gaudard - z.B. Trüffel mit grünem Tee oder Schokoladensuppe mit schwarzem Sesam und karamellisierten Kartoffeln - gibt es hier bei der französischen Marie claire.

09.02.2009

Kambodschanisches Rindfleisch-Curry mit Erdnüssen

Curries - also "Eintöpfe" - gibt's ja auf der ganzen weiten Welt wie Sand am Meer. Während einer unserer letzten Urlaubsreisen nach "ganz schön weit weg" (konkret: Kambodscha) hatten wir ausreichend Gelegenheit, die kulinarischen Köstlichkeiten der dortigen Gegend kennenzulernen. Nach unserer Rückkehr hab' ich erstmal längere Zeit in den Untiefen des WeltWeitenNetzes herumgewühlt - auf der Suche nach möglichst authentischen Rezepten für Kambodscha-Curries. Mit den entsprechenden Angeboten war ich jedoch nie so richtig zufrieden - und folglich versuchte ich, einige der etwas vielversprechenderen Angebote miteinander zu verbinden, wobei ich auf "ultra-exotische Zutaten", die hierzulande wohl kaum erhältlich sein dürften, verzichtete. Herausgekommen ist die nachfolgend beschriebene Leckerei, die bei allen Curry-LiebhaberInnen wohl äußerst gut ankommen dürfte...
Kleine Bemerkung vorab: Es empfiehlt sich, die "Grund-Paste" schon im Vorfeld vorzubereiten; die Mengenangaben beziehen sich hier aber auf die "Vier-Mensch-Ausgabe". Größere Mengen können problemlos portionsweise für die spätere Verwendung eingefroren werden.
Nun aber in medias res:

Kambodschanische Curry-Paste
2 EL Kokos-Öl (zur Not tut's aber auch Sesam-Öl)
6 getrocknete rote Chilischoten
1 TL grob gehackter Galgant
6 Knoblauchzehen (zerdrückt)
1 mittelgroße Zwiebel (grob zerkleinert)
2 Stern-Anis
1 großer Stengel Zitronengras, in Scheiben geschnitten
1 Zimtstange (6-8 cm lang)
3 grüne Kardamom-Kapseln
1 TL geriebene Muskatnuss
1 EL gehackte Koriander-Wurzel
1/4 TL Kurkuma (wenn's frischer Kurkuma ist, 1/2 TL abreiben... Achtung: Am besten hierbei Handschuhe anziehen, denn die gelbe Farbe hat's in sich!)

Zubereitung:
Kokosöl in einer Pfanne oder einem Wok erhitzen. Jetzt die getrockneten Chilis, den Galgant, Knofi, die Zwiebel und das Zitronengras reinwerfen. Das Ganze so lange anbraten, bis es anfängt, lecker zu duften. Jetzt den Zimt, den Stern-Anis, die Kardamom-Kapseln und den Muskat dazugeben. Unter heftigem Rühren ca. 5 bis 7 Minuten braten, bis alle Zutaten leicht angeröstet sind. Dieses leckere Durcheinander wird nun zusammen der Koriander-Wurzel und dem Kurkuma solange püriert, bis es eine "pasten-artige" Konsistenz angenommen hat. Während des "Pürier-Vorgangs" immer esslöffelweise ein wenig Wasser hinzugeben, damit es nicht allzu fest wird. Sobald das "Mixer-Innere" schön gelblich und sämig ist, kann man die Paste rauslöffeln und zur Seite stellen (...oder gegebenenfalls portionsweise - wie oben erwähnt - einfrieren)

Das eigentliche Curry
80 g frisch geriebener Ingwer
700 g Rindfleisch (aus der Keule) - in Würfel geschnitten
3 EL Pflanzenöl (möglichst ohne Eigengeschmack)
1 EL Garnelenpaste (Achtung: "Duftet" nicht besonders verführerisch!!!)
unsere Curry-Paste
700 ml Kokosmilch
4 EL Palmzucker (wenn man den in "Scheibenform" nimmt, am besten eine komplette Scheibe)
2 EL Fischsauce
70 g ungesalzene Erdnüsse
2 frische rote Chili-Schoten (wer's richtig scharf mag: Bird's Eye Chilis!); in Ringe geschnitten

Zubereitung:
Vorab den Saft aus dem geriebenen Ingwer drücken; die trockenen Überbleibsel dann wegwerfen. Das Fleisch ca. 1 Stunde mit dem Ingwersaft marinieren.
[Anm.: Die Wartezeit lässt sich locker durch die Zubereitung der Curry-Paste überbrücken]
Nach Ablauf der Warte-Stunde das Öl in einem großen "Brat-Topf" erhitzen, die Garnelenpaste ins heiße Öl schmeißen (...und jetzt für ca. 30 Sekunden die Luft anhalten! Das stinkt gar grauenvoll!). Die Paste maximal 30 Sekunden lang garen, bis sie etwas dunkler geworden ist. Währenddessen mit dem Löffel-Rücken dieses eklige Zeug zerteilen...
Jetzt die Hälfte der Kokosmilch dazugeben; außerdem noch unsere leckere Curry-Paste. Schön miteinander verrühren. Fleisch reinkippen. Bei nicht allzu großer Hitze ungefähr 30 Minuten lang garen. Nun noch die restliche Kokosmilch, den Palmzucker, die Erdnüsse und die Fischsauce hinzugeben. Mit etwas Salz abschmecken. Deckel auf den Pott - und auf kleiner Flamme ca. 1,5 Stunden lang schmoren lassen. Zu guter letzt noch die kleingeschnippelten Chilis reinwerfen. Umrühren. Deckel drauf. Noch mindestens weitere 30 Minuten lang schmoren.
Fertig!
Als Garnitur bieten sich die allseits beliebten Koriander-Blätter an (die Wurzel wurde ja bereits "verwurstet"). Und als Beilage nehm' ich gerne locker gekochten Jasmin-Reis. Basmati passt hier nicht so ganz...
Bon appétit!

Rindsroulade mit Salzkartoffeln und Bohnensalat



Eines meiner Lieblingsessen seit frühester Kindheit ist die klassische Rindsroulade, gefüllt mit Speck, Zwiebeln und einer Essiggurke. Übliche Beilagen sind meist Rotkohl und Klöße, meine Mutter und meine Oma machten dazu allerdings immer Salzkartoffeln und einen Bohnensalat aus Gartenbohnen, Zwiebeln und Joghurt. Das schmeckt am besten, wenn man es nicht so ordentlich und übersichtlich anrichtet, wie ich es auf dem Bild oben versucht habe, sondern indem man alles auf einen Teller packt und vermengt. Das ließ sich allerdings nicht wirklich appetitlich fotografieren. Und vom Inneren der Roulade sieht man so auch nichts.

Über das, was in eine Roulade eingewickelt gehört, herrscht, wenn man "Rindsroulade" googlet, offenbar ein Glaubenskrieg. Die Füllmeinungen gehen über hartgekochte Eier, Senfgurken, Karotten, Räucherwurst, Mett bis hin zu gar nichts außer Senf, Salz und Pfeffer. Mit einer Karotte anstelle einer Gurke - offenbar die österreichische Variante - könnte ich mich noch anfreunden, allerdings müsste ich dann auch den Rest des Gerichts von Sauer auf Süß umstellen und den Bohnensalat weglassen, was ein anderes Gericht wäre.

Die Zubereitung ist relativ einfach, einzig für das Einwickeln braucht man vielleicht etwas Geschick:

Rinderrouladen trockentupfen, mit Dijonsenf einreiben, salzen, pfeffern. Mit dünn geschnittenem durchwachsenen Speck und feingeschnittenen Schalotten belegen. Die Roulade jeweils um eine Essiggurke (Kühne Gewürzgurken nehme ich hier am liebsten; ich will keine Werbung machen, allerdings beeinflusst die Gurke sehr den Geschmack des Gerichts) wickeln, die Enden auf halbem Weg vorsichtig einschlagen.



Mit Küchengarn zubinden oder anderes Hilfsmittel (Rouladennetz, Pickser, Zahnstocher, etc.) verwenden. Mir ist Küchengarn die liebste Variante, so ist beim Anbraten nichts im Weg, allerdings sollte man sich dann eine Wickeltechnik überlegen, bei der man mit einem Knoten und wenig Schlingen auskommt, sonst wird es am Ende eine ziemliche Fummelei.


Die Rouladen von außen salzen, rundum und von oben und unten in Butterschmalz (Butaris) scharf anbraten, herausnehmen und warmstellen.



Fett abgießen und eine halbierte Schalotte, gerne mit der Schale, eine halbe weiße Zwiebel und eine kleine Möhre, in drei bis vier Stücke geschnitten, Lorbeer, Piment und Thymian (und etwas Salz) für ca. 5 Minuten sautieren. Mit einem Schuß Madeira ablöschen, Rotwein und etwas heiße Rinderbrühe angießen, aufkochen lassen. Rouladen wieder dazugeben und alles bei Schmortemperatur für 90 Minuten garen (im Ofen oder auf dem Herd).



Nach ca. 90 Minuten die Gewürze rausnehmen (andere tun sie dann erst rein), mit etwas Salz abschmecken und für weitere 60 Minuten schmoren.

Die Bohnen kurz in Salzwasser kochen, mit viel kaltem Wasser abschrecken, abtropfen lassen. Die übriggebliebene halbe weiße Zwiebel in feine Würfel schneiden und mit Joghurt (natur), Zitronensaft, einer Messerspitze Senf, Salz und Petersilie abschmecken. Die Bohnen unterheben, abdecken, zu Seite stellen.
Die mürbe geschmorten Rouladen herausnehmen, das Küchengarn entfernen und warm stellen. Die Soße pürieren, erforderlichenfalls etwas einreduzieren (dürfte aber nicht notwendig sein, weil die Zwiebeln genug binden sollten), mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Kartoffeln, Rouladen und Soße anrichten. Dazu den Bohnensalat servieren. Wer tolerante Mitesser hat, darf alles auch auf einem Teller durchmengen,-)



Zutaten für 4 Portionen:
- Rouladen -
4 große Rindsrouladen, dünn geschnitten
150 g durchwachsener Speck, in feine Scheiben geschnitten
4 kleine Schalotten, in feine Ringe geschnitten
4 TL Dijonsenf
4 Essiggurken
Salz, Pfeffer
1 Schalotte
1/2 weiße Zwiebel
1 kleine Karotte
Thymianzweig
1-2 Lorbeerblätter
1-2 Pimentbeeren
2 EL Madeira
200 ml Rotwein
100 ml heiße Rinderbrühe oder heißes Wasser

- Bohnensalat -
400 g Gartenbohnen (Prinzessbohnen)
1/2 weiße Zwiebel, fein gewürfelt
1/2 Zitrone (Saft)
200 g Joghurt (natur, nicht mit Sahne)
1 Msp. Dijonsenf
Salz, Pfeffer, Petersilie
Salzkartoffeln als Beilage

06.02.2009

Gefüllte Zwiebeln à la Caesare



In der ersten Italien-Ausgabe von GOURMET (GOURMET Nr. 23, Frühjahr 1982, S. 14 ff.) war Johann Wilsberger zu Gast bei Caesare Giacone in Albaretto, einem kleinen Dorf im Piemont. Dort gab es als Vorspeise gefüllte Zwiebeln, direkt aus dem Holzkohleofen. Die sahen auf den genialen Fotos von Wilsberger so lecker aus, leicht aufgeplatzt durch die Hitze, an den Rändern schwarz angekokelt, dass ich sie unbedingt nachkochen musste. Leider befindet sich in unserem Durchschnittshaushalt nur ein Elektroofen, insofern fehlen dem Gericht sicherlich die Raucharomen und die rustikale Optik. Falls also jemand zu Hause über einen Holzkohleofen verfügt und im PLZ-Gebiet mit der Anfangszahl 4 wohnt: ich komme gerne mal zu Besuch.



Große ungeschälte Zwiebeln säubern, in eine Auflauf- oder Backform stellen und mit einem Gemisch aus grobem Salz und Eiweiß vollständig umgeben. Bei 160° C Umluft im Ofen mindestens eine Stunde garen.



Die weichen Zwiebeln vorsichtig vom Salz befreien, auskühlen lassen und bis auf die letzten beiden Schichten aushöhlen.



Das Zwiebelmus passieren/pürieren. Eine Art Sauce Béchamel aus heller Einbrenne (Butter schmelzen und erhitzen, bis sie klar wird, anschließend Mehl einrühren), abgelöscht mit Milch und Sahne (50:50), herstellen. Mit etwas Salz abschmecken. Sauce Bèchamel mit viel geriebenem Parmesan und dem Zwiebelmus vermischen, bis eine Crème entstanden ist. In dem Originalrezept werden noch frisch geriebene weiße Trüffel hinzugegeben, schließlich liegt Albaretto ganz in der Nähe von Alba, aber die hatte ich gerade nicht zur Hand,-)

Die Crème vorsichtig (am besten mit einem Spritzbeutel) in die Zwiebeln füllen und mit einem Gemisch aus Parmesan und Semmelbröseln verschließen. Dann noch einmal im Ofen bei Vollgas für rund 15 Minuten backen und sofort servieren.




Zutaten:
Große, ungeschälte Zwiebeln (keine Gemüsezwiebeln)
Grobes Salz
Eiweiß
Geriebener Parmesan (viel)
Geriebene Semmelbrösel (kein Paniermehl)
ggf. frisch geriebener weißer Trüffel aus Alba (hahaha)
Butter
Weizenmehl 405
Milch
Süße Sahne

02.02.2009

Gadget-Alarm: Kanetsune Nakiri KC421



Okay, ich gebe es zu. Ich liebe Küchenmesser! Deswegen benutze ich anstatt eines großen europäischen Kochmessers, das als Allzweckwaffe in Kombination mit einem kleinen Küchenmesser eigentlich fast alle in einer durchschnittlichen Heimküche anfallenden Arbeiten gut erledigen kann, lieber viele Spezialisten. Meist sind es Japaner, die mimosenhaft empfindlichen Fachidioten unter den Küchenmessern, die den Alltag und das Arbeitstempo in einer durchschnittlichen westlichen Restaurantküche wahrscheinlich nur ein paar Tage ohne Ausbrüche an der Schneide und verbogene oder abgebrochene Spitzen überleben und zeitaufwändig gepflegt werden wollen. Lieben tue ich sie gerade deswegen, auch wenn Mitesserin bei meinen sonntäglichen Schleiforgien die Augen verdreht.

"Du würdest sie sogar bei Mondschein unter einer Eiche schleifen, wenn die Dinger dadurch noch schärfer werden." sagt sie dann oft. Sie benutzt am liebsten ein uraltes kleines Gemüsemesser ungewisser Herkunft mit aufgespritzten und abgegrabbelten Plastikgriff, das für mein Empfinden völlig stumpf ist.
"Dann schneide ich mich wenigstens nicht." sagt sie immer, wenn ich ihr nahelege, ein richtiges Messer zu benutzen. Das man sich mit stumpfen Messern viel eher verletzt, weil man zuviel Kraft aufwenden muss, will sie nicht verstehen. Ebenso wenig, dass man nie genug Messer in der Küche haben kann.
"Noch eins?" seufzte sie daher resignierend, als der DHL-Mann vor ein paar Wochen ein Paket von einem Messerhändler zustellte.

Ich hatte bereits seit längerer Zeit mit einem klassischen japanischen Gemüsemesser im rechteckigen Tokio-Stil geliebäugelt und schließlich Anfang des Jahres ein Nakiri aus der 400er Serie von Kanetsune bestellt. Es hat eine Klingenlänge von 165 mm und wiegt 115 g. Die angeblich handgeschmiedete und nicht rostfreie Klinge ist aus wunderschön damaszenierten 21-lagigen Shirogami (Weißpapierstahl).




Der Griff hat die traditionelle und nicht wirklich für Linkshänder geeignete Kastanienform (Griffquerschnitt) und ist aus dunkelrotem Sandelholz mit einer Zwinge aus Ebenholz.



Am Anfang war ich noch etwas skeptisch, ob mir 16,5 cm Klingenlänge wirklich reichen. Aber ich komme damit gut zurecht, und wie. Die dünne Klinge schneidet sauber, exakt und ohne jeden Kraftaufwand durch jedes Gemüse. Die Form der Klinge ist ideal für gerade Feinschnitte. Gleichmäßig feine Juliennes oder fast durchsichtige Gemüsescheiben fallen mir damit jedenfalls sehr viel leichter als mit einem großen Küchenmesser. Harte Gemüse wie Möhren, Sellerie oder Fenchel werden nicht gespalten, sondern wirklich geschnitten. An der leicht rauhen Klingenoberfläche saugt sich feuchtes Schneidgut nicht so leicht fest, was sehr angenehm ist. Auch die Standzeit scheint völlig in Ordnung zu sein, bis jetzt musste ich das Messer nur kurz abziehen, um damit wieder Unterarmhaare abrasieren zu können.



Da die Klinge aus unlegiertem Kohlenstoffstahl ist, bildet sich korrosionsbedingt je nach Schneidgut eine unterschiedlich gefärbte Patina (Zwiebeln färben z.B. braun, Knoblauch eher blau). Diese ließe sich zwar relativ einfach mit Stahlfix o.ä. entfernen, ich persönlich mag sie jedoch, gerade in Verbindung mit dem Damastmuster, das dadurch noch stärker hervortritt. Patina zeigt halt Charakter. Vor Rost braucht man bei den Nichtrostfreien nicht wirklich Angst zu haben, vorausgesetzt, das Messer wird nach Gebrauch abgewaschen und gut abgetrocknet.

Insgesamt ein schönes Messer, das seinen Preis von 64,- Euro locker wert ist.

30.01.2009

Ma Po Dou-Fu (麻婆豆腐) oder Spaghetti à la Sichuanese



Das sieht zwar aus wie italochinesisches Crossoverfood, ist aber tatsächlich ein traditonelles Gericht aus der chinesischen Provinz Sichuan. Der Legende nach lebte einmal am Stadtrand von Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, eine alte Frau. Die betrieb eine kleine Herberge für die armen Bauern, die am nächsten Tag auf dem Markt von Chengdu ihre Waren verkaufen wollten und sich kein Zimmer in der Stadt leisten konnten. Unter diesen Bauern war sie berühmt für ein sehr nahrhaftes und, typisch für die Provinz, sehr würziges Gericht aus Tofu und fein gehacktem Schweinefleisch. Und weil das Gesicht der alten Frau von vielen Pockennarben gezeichnet war, nannte man das Gericht "Tofu der pockennarbigen alten Frau", also "Ma Po Dou-Fu" oder "Ma Po Tofu".



Die Zutaten sind überschaubar. Ein wichtige Rolle spielt der Szechuanpfeffer, der nicht mit dem schwarzen Pfeffer verwandt ist. Die getrockneten Samenkapseln werden zunächst geröstet, bis man einen Geruch wahrnimmt, der ein wenig an ... nun ja, an Haschisch erinnert. Anschließend wird der Szechuanpfeffer zermörsert. Der Geschmack ist angenehm scharf, es prickelt auf den Lippen, die leicht taub werden.



Auch die übrigen Vorbereitungsarbeiten sind einfach:

Zunächst schneiden wir den Tofublock in 10 mm dicke Scheiben und legen diese zwischen etwas Küchenkrepp, damit das überschüssige Wasser aufgesaugt wird. Anschließend wird das Tofu in kleine Würfel geschnitten. Tofu lässt sich übrigens mehrere Tage problemlos unter Wasser in einer Dose im Kühlschrank aufbewahren, allerdings muss das Wasser täglich gewechselt werden, sonst bildet sich relativ rasch ein unangenehm riechendes Ferment.

Während das Nudelwasser Fahrt aufnimmt, werden Ingwer und Knoblauch gerieben und die Chilis schräg in Ringe geschnitten. Außerdem werden Tomatenmark, Hoisinsauce, dunkle Misopaste, Sojasauce und etwas warmes Wasser zu einem dünnflüssigen Brei verührt. Szechuanpfeffer, Hoisinsauce und Misopaste sind in jedem Asia-Shop zu bekommen und können in vielen asiatischen Gerichten verwendet werden. Szechuanpfeffer ist auch in europäischen Gerichten ein echter Überraschungseffekt. Man braucht also nicht besorgt zu sein, weitere "Ladenhüter" in der Küche stehen zu haben.

Für die Garnitur wird eine Frühlingszwiebel schräg in Streifen geschnitten. Gut passen außerdem kurz blanchierte Sojasprossen oder rohe Gurke, die in schmale Streifen geschnitten wurde.



Wenn vom Nudelwasser die ersten Blasen aufsteigen, wird das Hackfleisch mit etwas Salz gewürzt scharf angebraten. Auf halber Strecke geben wir geriebenen Knoblauch und Ingwer, die Chilistreifen und etwas Chiliöl dazu. Wenn das Hackfleisch fertig gebraten ist, löschen wir das Ganze mit einem Schuß Sherry ab, geben den Miso-Hoisin-Tomatenmark-Brei dazu und lassen es bei reduzierter Hitze für ca. 5 Minuten köcheln.

Jetzt heben wir vorsichtig die Tofu-Würfel unter, reduzieren die Hitze weiter und lassen alles für weitere 3-5 Minuten ziehen, bis die Nudeln gar sind.



Erst jetzt geben wir den Szechuanpfeffer dazu und servieren das Mapo Doufu mit der Garnitur auf Nudeln.





Zutaten (wir essen das zu zweit, sind hier aber kein Maßstab, es reicht also auch für vier Personen):

250 g Weizennudeln
250 g Tofu
250 g Hackfleisch vom Schwein
1 EL geriebener Ingwer
1 TL geriebener Knoblauch
3 Rote Chilis, in Ringe geschnitten

1 EL dunkle Misopaste
1 EL Hoisinsauce
2 EL Sojasauce
1 TL Tomatenmark
6 EL Wasser

2 EL Sherry
1 EL Rotes Chiliöl
1 EL Kochöl
- Garnitur -
1 Frühlingszwiebel, in Streifen geschnitten
ggf. 1/2 Schlangengurke, entkernt und in Streifen geschnitten
ggf. Handvoll Sojasproßen, blanchiert

23.01.2009

Phở Bò - Vietnamesische Rindfleischsuppe mit Reisnudeln und Kräutern



"Können wir nicht eine heiße Suppe machen?" fragte Mitesserin. "Darauf habe ich bei dem Regenwetter richtig Lust."
Also gab es heute, nicht zuletzt, weil wir den Kühlschrank noch voller Kräuter u.a. von meinem gestrigen Asia-Shop-Besuch hatten, Phở Bò, eine traditionelle vietnamesische Rindfleischsuppe mit Reisnudeln, in die würzige Kräuter, Zwiebeln, Chilis und Sojasprossen erst kurz vor dem Verzehr eingelegt werden, damit sie knackig frisch bleiben. Phở gibt es in verschiedenen Variationen, als Phở Gà mit Huhn oder als Phở Tò mit Garnelen, zu jeder Tageszeit und an fast jeder Straßenecke in Vietnam. Das Innere eines Phở-Shops kann man z.B. hier sehen.



Als Basis brauchen wir eine kräftige Rinderbrühe, entweder selbst aus Rinderknochen und Wasser gekocht, oder, wenn es schnell gehen soll, wie bei uns heute, aus dem Schraubglas. Zusammen mit einer Zimstange, Kardamom, Sternanis, Piment, Ingwer und der Fischsauce (vietnamesische Nuoc Mam) köchelt die Brühe rund 20 Minuten vor sich hin.

In der Zwischenzeit können wir ein Rumpsteak in dünne Scheiben und die Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden.



Dann bereiten wir das "Grün" vor und schneiden die Chilis schräg in kleine Ringe, spülen die Sojasproßen, die Thai-Minze, den Koriander und das Thai-Basilikum mit kaltem Wasser ab, achteln eine Limette und richten alles auf einem Teller an. Von dieser "Einlagenplatte" kann sich beim Essen jeder nach eigenem Gusto bedienen, um seine Suppe zu würzen.

Jetzt nehmen wir mit einer Schaumkelle den Ingwer, Kardamom, Sternanis, Piment und Zimt aus der Brühe und geben die Reisnudeln hinein. Nach ca. 6 Minuten, kurz bevor die Nudeln bißfest gegart sind, geben wir das Rindfleisch dazu und nach einer weiteren Minute die Frühlingszwiebeln. Die Suppe servieren wir dann sofort in Schälchen und schauen gespannt, was unsere Gäste mit dem "Grün" anfangen.




Zutaten für 2 Personen:

1 L Rinderbrühe
2 Sternanis
2 Pimentbeeren
1 Zimtstange
1 Kardamomkaspel
1 Stück Ingwer, geschält, daumengroß, in 2-3 Stücke geteilt
1 EL Fischsauce (Nuoc Mam)
200 g breite, flache Reisnudeln
1 Rumpsteak
1 Bd. kleine Frühlingszwiebeln
1 Bd. Koriandergrün
1 Bd. Thai-Minze
1 Bd. Thai-Basilikum
4 rote Thai-Chilis
1 Handvoll Sojasprossen
1 Limette